Der Mensch kann sich gegen einen Angriff wehren, nicht aber gegen ein Lob. (Siegmund Freud)

 

Der chinesische weg

11 Jahre in China

Ende 2007 kam ich nach China und kehrte Ende 2018 wieder in die Heimat zurück. 11 Jahre sind eine lange Zeit, schließlich waren es bei der Rückkehr knapp Ein-Drittel meines bisherigen Lebens. Doch diese Zeit war ganz und gar keine Zeitverschwendung, sondern ganz im Gegenteil. Geschäftlicher und Privater Umgang mit Chinesen, Kulturelle Chinesische Eigenschaften, Sprachliche Unterschiede sind einige Punkte, die ich in China gelernt habe - die man aber ganz besonders erst intensivieren kann, wenn man die Sprache beherrscht. So kam es erst nach dem Chinesischem Sprachstudium zu einem Verständnis für viele chinesische Eigenschaften und Verhaltensweisen.

Der Weg nach China: Mein erstes "China-Erlebnis" hatte ich noch im Betriebswirtschaftsstudium, als ich in den Semesterferien für einen Monat in Shenzhen für meinen damaligen Arbeitgeber kurzzeitig arbeiten durfte. Für mich war es eine Zeitreise in eine andere Welt, die mich aber reizte, diese Erfahrungen zu intensivieren. Direkt nach dem Betriebswirtschaftsstudium Ende 2007 wurde ich dann von meinem Arbeitgeber nach China entsandt, um die Taschenrechner BWK Business und BWK miniMAX finanzmathematisch direkt am Produktionsort weiterzuentwickeln.

Das chinesische Sprachstudium: Aufgrund der Finanzkrise kam es dann im Jahr 2009 dazu, dass Lohnkürzungen vereinbart wurden und ich daraufhin auf eigenen Wunsch nur noch halbtags beschäftigt war. So konnte ich mich an der Shenzhen University zu einem Sprachstudium einschreiben und so halbtags die Chinesische Sprache erlernen. Insgesamt 7 Semester war ich dann in Shenzhen neben der Arbeit auch an der Universität. Von Shenzhen, meinem Arbeitgeber und dessen Universität verabschiedete ich mich dann mit dem Chinesischem Sprachtest HSK Level 4 in Richtung Meizhou Wuhua (350 km nördlich von Shenzhen).

Rückzug auf's Land: Wuhua ist die Heimat meiner Frau, welche ich im Studium kennengelernt hatte. Es wird zwar ländlicher beschrieben, jedoch wohnen dort immerhin rund 1 Mio. Chinesen, davon 250.000 in der Stadt und 750.000 in den umliegenden ländlichen Regionen. In den ersten zwei Jahren wohnten wir bei meinen Schwiegereltern auf dem Bauernhof. Gerade nach 5 Jahren Großstadtleben (Shenzhen hat ja rund 15 Mio. Einwohner) tat diese Ruhe auf dem Land gut, auch wenn die ländliche Region kulturell noch etwas anderes als die chinesischen Großstädte sind. Grundsätzlich war ich aber als Münsterländer ohnehin eher an ruhiges Land anstatt lärmende Städte gewöhnt. Bei meinen Schwiegereltern schrieb ich im Hintergrund ein weiteres Pflichtenheft für einen eigenen finanzmathematischen Taschenrechner, der dann in den Folgejahren auch durch einen chinesischen Produzenten umgesetzt wurde. Leider hatte die Hardware des Rechners technische Mängel, sodass dieser heute nur noch als Software DocZins (www.doczins.com) besteht. Meine 100 % akribisch genaue finanzmathematische Arbeit bleibt dadurch weiterhin bestehen.

Der Start als Bierbrauer und Gründer/Unternehmer in China: In der Entwicklungszeit und auf dem Bauernhof blieben genug Platz, um mit dem Brauen von Bier als Hobbybrauer im Jahr 2013 zu beginnen. Schnell wurde das erweitert und viele Flaschen Selbstgebrautes auch schon verkauft. Es folgte nach ausgiebiger Marktanalyse und -recherche, sowie einiger betriebswirtschaftlicher Kalkulationen die Suche nach einem Brauhaus mit Sportsbar, welche kurze Zeit später hauptsächlich in Eigenregie umgesetzt wurde. Das Brauhaus und das selbstgebraute Bier entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit zu einem Erfolg und einem sehr guten Namen in Wuhua und Umgebung. Für mich war es tagtäglich als Wirt der Bar kulturell sehr erfahrenswert, um die kulturellen Gepflogenheiten kennenzulernen und auch so einige intensive und tiefgreifende Gespräche mit Chinesen zu führen. Für den Umgang mit Chinesen und deren kulturellen Unterschied war es eine goldwerte Erfahrung. Ebenso bot das Bierbrauen und die Bar so einige Möglichkeiten, sehr viel technisches und physikalisch-chemisches Verständnis im Lebensmittelbereich, sowie Maschinenbau zu entwickeln.

Die Rückkehr: Im Jahr 2018 fiel jedoch die Entscheidung, wieder nach Deutschland zurückzukehren. Nun arbeite ich für die ifm electronic GmbH als Vertriebscontroller Asia-Pacific und Nordwest-Europa, sodass ich zumindest einen großen Teil meiner Arbeit auch mit unser Vertriebstochter in China zu tun habe. 

 

 © Werner Dütting, 2020